Trotz Lipödem

selbstbestimmt Leben

Lipödeme - wenn das Unterfettgewebe sich krankhaft vermehrt​

Krankheitsbeschreibung, Ursachen und Auftreten/Verlauf

Das Lipödem ist eine chronische und im Laufe der Zeit fortschreitende Erkrankung und Vermehrung des Unterhautfettgewebes.

Es tritt hauptsächlich bei Frauen auf, scheinbar infolge hormoneller Veränderungen, z.B. in der Pubertät, nach Schwangerschaften oder in den Wechseljahren.

Besonders stark und häufig sind die Beine von der Umfangsvermehrung betroffen, seltener auch die Arme, so dass die obere Körperhälfte häufig nicht in Proportion zur unteren Körperhälfte steht. Häufig wird das Lipödem mit der Adipositas (Übergewicht) verwechselt. Doch die krankheitstypischen Fettvermehrungen lassen sich nicht mit Nahrungseinschränkung oder sportlicher Betätigungen verändern. Häufig beim Lipödem sind wiederholt auftretende Blutergüsse und erhöhte Druckempfindlichkeit. Hinzu kommt eine enorme psychische Belastung aufgrund der kontinuierlich schlechter werdenden Körperformen. Beeinträchtigungen beim Gehen treten auf. Im Vergleich zum Lymphödem sind beim Lipödem beide Körperseiten betroffen. Es kann sich auch zusätzlich ein sekundäres Lymphödem entwickeln, was dann auch zur Verschlimmerung des Lipödems führt (Lipo-Lymphödem).

Behandlung und Versorgung

Wie immer gilt: frühzeitig erkennen und handeln. In einem frühen Stadium, wenn sich das Ödem im Laufe des Tages entwickelt und über Nacht verschwindet, kann allein mit dem regelmäßigen Tragen von Kompressionsstrümpfen die Entstehung des Ödems vermieden werden. Später dann wird die Komplexe Physikalische Entstauungstherapie (KPE) eingesetzt. Zu Beginn erfolgt die Manuelle Lymphdrainage durch dafür spezialisierte Therapeuten, mit dem Ziel der kontinuierlichen Reduzierung des Volumens. Mit Kurzzugbinden wird im Anschluss der Behandlung bandagiert. Wenn keine weitere Ödemreduktion mehr erzielt werden kann, werden flachgestrickte Kompressionsstrumpfhosen oder Armstrümpfe, meist in Kompressionsklasse II, angepasst.

Gerne kommt unsere Mobile Versorgung zu Ihnen in Ihre physiotherapeutische Praxis zum Maßnehmen und Anpassen. Dies ist wichtig, um den verbesserten Zustand zu erhalten. Da die Beinumfänge beim Lipödem meist deutlich außerhalb der Normmaße liegen, wird hier regelmäßig mit maßgefertigten flachgestrickten Kompressionsstrümpfen mit Naht versorgt. Durch den Druck auf die Haut und vor allem auf die Unterhaut wird ein „Nachlaufen“ der Ödeme verhindert. Der Entstauungserfolg der Lymphdrainage wird stabilisiert. Druck-, Spannungs- und Berührungsschmerzen lassen sich deutlich vermindern oder sogar beseitigen. Die ausreichende Kompressionsstärke sowie der gute Sitzkomfort der Kompressionsversorgung mit täglichem Tragen sind zusammen mit der Lymphdrainage entscheidend für den Therapieerfolg. Hier stehen uns ganz unterschiedliche Versorgungsformen zur Verfügung. Gestrickt werden Knie- oder Oberschenkelstrümpfe, doch manchmal sind auch Kombinationen mit Bermudas oder Caprihosen möglich, um das Anziehen und den täglichen Umgang zu erleichtern. Saisonale Modefarben und Muster und individuell abgestimmte Funktionszonen tragen dazu bei, dass Ihr Kompressionsstrumpf Ihr Freund und täglicher Begleiter wird.  Eine gute Kooperation zwischen Arzt, Physiotherapeuten, Krankenkasse und Strumpfherstellern ist von großer Bedeutung für den Therapieerfolg.

Als operative Therapiemöglichkeit kommt für einige Patienten auch die Liposuktion (Fettabsaugung) in Betracht, um eine Verbesserung des äußeren Erscheinungsbildes und des Beschwerdebildes zu erreichen. Im Dreiklang von Lymphdrainage, Kompression und Absaugung lassen sich wesentliche Aspekte des Krankheitsbildes wirksam behandeln. 

 

Auf die richtige Stricktechnik kommt es an! Was heißt eigentlich Flachstrick?

„Flachgestrickte Kompressionsstrümpfe werden Reihe für Reihe „hin und her“ gestrickt, wie beim Stricken eines Pullovers. Die Maschengröße verändert sich nicht. An den Seiten werden Maschen zu- oder abgenommen. Somit kann ich jede Körperform abbilden und anatomisch passgenau stricken. Der erforderliche Kompressionsdruck und der medizinisch notwendige Kompressionsverlauf wird so aufgebaut. Die beiden Seiten müssen dann zusammengenäht werden. Deshalb haben wir eine flache Naht in Längsrichtung.  Materialien mit einer gröberer Struktur unterstützen die Mikrozirkulation und Luftdurchlässigkeit.  Rundgestrickte Kompressionsstrümpfe sind für Lymph- und Lipödempatienten nicht geeignet. Stellen Sie sich ein Strickliesel vor. Nur größer wird der Strumpf in der Industrie auf unterschiedlich großen Zylindern rundgestrickt, also ohne Naht. Hier wird über die Maschengröße variiert, doch die außergewöhnliche Anatomie kann hier nicht abgebildet werden. Gerade auch die Schwere des Lip-/Lympödems, die Beschaffenheit von Bindegewebe und Hautstruktur sowie Hautfalten und Ödemausweitungen führen dazu, dass ein feiner, rundgestrickter Strumpf mit seiner Rollneigung einschneidet, tiefe Einfurchungen in der Haut und Verhärtungen bewirken kann, somit sich das Krankheitsbild sogar verschlechtern können. Deshalb vertrauen Sie den Empfehlungen unserer Lip-/Lymphexperten in der richtigen Auswahl und Anpassung der Kompressionsstrümpfe.

Ein Sortiment zur Pflege der Haut und der Kompressionsstrümpfe sowie hilfreiche Tipps für das An- und Ausziehen und zum Verhalten im Alltag runden die Beratung und Versorgung im Sanitätshaus Schürmaier ab.